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Bericht der Wanderfahrt

Wanderfahrt mit Tücken

Die diesjährige Wanderfahrt ging auf die Maas. So manch ein routinierter Wanderfahrer fragte sich anfänglich, warum man nicht schon länger auf diesen so naheliegenden Fluss gekommen sei, war die Fahrtzeit von unter einer Stunde Anreise doch unschlagbar kurz. Nun könnte man meinen, dass angesichts einer zudem überschaubaren Ruderstrecke Langeweile aufkommen würde, doch weit gefehlt!

Am Freitagabend beim Abriggern ereilte die 19-köpfige Wandertruppe schon der erste Schlag: Einer der Fahrtenleiter, Udo Nitsche, musste krankheitsbedingt verzichten. Bernd Marzi versuchte noch einen Kollegen zu motivieren, Udos Platz einzunehmen, aber das war dann doch etwas zu kurzfristig. So musste ein Bootsplatz frei bleiben. Angesichts der kurzen Anreise trafen wir uns dieses Jahr zu einer halbwegs humanen Uhrzeit, um pünktlich um 8 am Samstagmorgen mit zwei Pkw und zwei Bussen nach Roermond aufzubrechen. Das Einkaufsparadies ließen wir links liegen und steuerten direkt den Ruderverein an, der malerisch an einem Seitenarme der Maas liegt. Dort waren wir nicht lange allein. Kaum hatten wir unsere vier Boote auf dem kleinen Gelände zwischen Stegen und Bootshaus abgeladen und großzügig verteilt, tauchten recht merkwürdig gekleidete Menschen auf. Einerseits junge Damen in schicken Kostümchen, die eher an Hostessen als an Ruderinnen erinnerten, und junge Männer in zum Teil arg abgewetzten, geradezu schäbigen Sakkos, die wohl einst rot gewesen waren; andererseits an den Händen zu langen Ketten zusammengebundene junge Menschen in roten Hosen und über ihre Rucksäcke gestülpten weißen, nummerierten T-shirts.

Dieses eigenartige Schauspiel verkürzte uns nach dem Aufriggern die Wartezeit auf unsere tapferen Fahrer, die währenddessen die Fahrzeuge nach Venlo und Blikkerwijk brachten und dabei etliche Straßenkilometer zurücklegen mussten. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es schon am Vormittag heiß und immer heißer wurde und wir gerne im Schatten des Vereinsheims mit Blick auf das seltsame Schauspiel verbrachten. Es stellte sich unterdessen heraus, dass die armen Menschen, mehr als 200 an der Zahl, eine Art Aufnahmeritual für die Rudervereinigung der Universität Maastricht durchliefen. Da sie schon seit Donnerstagmorgen um 5 Uhr auf diese Art und Weise malträtiert worden waren, waren ihre Gesichter dementsprechend leer und ihnen schien nichts mehr peinlich zu sein.

Wir hingegen waren noch guter Dinge und, sobald es hieß, man habe Hajo entdeckt, der mutmaßlich vom Autoballett zurück war, stießen zwei Boote in See, bzw. legten hastig ab. Unsere Anwesenheit auf der Wiese stellte nämlich mittlerweile ein Problem dar, weil die Gefesselten nun auch aufs Wasser sollten.

Zwei von vier Booten irrten ein wenig auf dem Seitenarm herum, stets auf der Suche nach Schatten. Doch gab es diesen nicht, zu wenige große Bäume oder Gebäude säumten die Strecke. Hajo war unterdes noch mit den anderen unterwegs und seine Ankunft nur ein Gerücht…

Nach einer gefühlten Ewigkeit waren auch die anderen beiden Boote startklar und konnten mittags auf die Maas.

Schon nach wenigen hundert Metern durchquerten wir die erste Schleuse. Wir waren nun schon lange in den Booten, doch noch kaum gerudert. Dieser Zustand wurde wohl vor allem durch die erbarmungslos sengende Sonne unterstrichen, welch Wohltat war das Unterqueren jeder Brücke!

Brücken gab es jedoch gar nicht so viele, sondern des Öfteren kleine Fähren, die uns jäh zum Stoppen zwangen. Auch die zahlreichen Sportboote, die die Ruderboote schaukeln ließen, brachten etwas Abwechslung, denn landschaftlich hat die Maas zumindest in diesem Abschnitt nicht viel zu bieten. Das ein oder andere Rind am Ufer, ein Kirchturm in der Ferne oder einige Villen am Flussufer waren da schon die größten Highlights. Somit war auch die Frage beantwortet, warum man diesen Fluss trotz der Nähe bisher nie in Betracht gezogen hat.

Unsere Mittagspause nahmen wir dann auch zwischen Brennnesseln, Disteln und Kuhfladen ein. Immerhin überließen uns die Rindviecher ihren schattenspendenden Baum. Die ersten Ermüdungserscheinungen waren schon früh erkennbar. Kein Wunder bei Temperaturen im Schatten von über 30° Celsius. Also hätten wir es dort auch noch länger ausgehalten, doch lag noch ein gutes Stück Weg vor uns, auch wenn niemand so genug wusste, bei welchem Kilometer genau der Ruderverein sein würde.

Ein besonderes Lob gilt unseren AnfängerInnen Sylvia, Christiane und Rene, die den ganzen Tag wacker durchgehalten haben, trotz Blasen, Rücken und vor allem Po! Je länger der Weg, desto mehr mussten alle die Zähne zusammenbeißen. Erst auf den letzten Metern schob sich eine Wolke etwas vor die Sonne und sorgte für Milderung. Der Ruderclub von Venlo war zwar sehr versteckt zwischen Sportbooten und Wohnwagen, aber dennoch schnell gefunden und es waren wohl alle erlöst, dass man es für diesen Tag geschafft hatte. Als die Boote und das Zubehör am Wegesrand abgelegt waren, fuhren wir zum Campanile Hotel nach Venlo. Viel Zeit blieb nicht, denn das Einchecken dauerte lange und um 20 Uhr war schon der Tisch beim Chinesen/Japaner reserviert. Nach anfänglicher Skepsis bei den nicht Eingeweihten, wie denn die Sushi- und Sashimi-Spezialitäten zu bestellen seien, und was für wen bestimmt sei, genossen alle das leckere, außergewöhnliche Essen. Doch sollte man im nächsten Jahr das Restaurant nicht nach der Speisekarte sondern nach der Bestuhlung wählen. Die vermeintlich bequemen Polsterstühle stellten sich als ziemlich dünn bepolstert heraus und stellten unsere geschundenen Sitzhöcker auf eine erneute Probe. Während wir also dort herumrutschten, um eine bequeme Sitzposition zu finden, prasselte draußen der Regen und sorgte für Abkühlung. Alle waren wohl froh, früh in ihren Hotelbetten zu liegen.

Am nächsten Morgen stellte sich leider heraus, dass die Strapazen des Vortages ein weiteres Opfer gefordert hatten. Auch der zweite Fahrtenleiter Bernd Marzi musste passen, konnte nicht einmal aus dem Bett steigen vor Verspannung. Etwas geknickt stimmten wir Verbliebenen nun darüber ab, ob wir die Fahrt trotzdem fortsetzen sollten, was die große Mehrheit befürwortete. So wurden neue Bootsbesatzungen zusammengestellt, denn ein weiterer Platz musste frei bleiben.

Nach üppigem Frühstück wurde auf eine größere Pause verzichtet und die Bäuche im Boot mit Haribo gefüllt. Der zweite Tag war bewölkt und kühler und daher eher angenehm im Boot. Viel Tape und Pflaster sollte die verletzten Handflächen schützen und auch die Neulinge durften nun auch einmal steuern, damit sie nicht ganz die Lust verlieren…

So recht wusste allerdings keiner, wo wir unsere Tour beenden sollten, denn die beiden Kundigen waren nicht mehr unter uns. Immerhin konnte Bernd Marzi von Bernd Weinrich abgeholt werden und musste nicht den ganzen Tag im Hotel verbringen, bis wir ihn auf den Rückweg wieder hätten einsammeln können. Unser einziger Hinweis war „Tante Jet“, und wir waren froh als wir das Ausflugslokal am Ufer entdecken konnten. Eine ideale Anlegestelle war dort aber nicht. Das steinige Ufer mit einer kleinen Betonrampe musste durch das Wasser watend erreicht werden. Zudem musste man die kleine Rad- und Fußgängerfähre abpassen, die eben diese Rampe nutzte.

Schon beim zweiten Boot ereignete sich dann der nächste Zwischenfall. Rolf Kilzer rutschte auf der glitschigen Schräge weg und fiel der Länge nach aufs Kinn. Der Aufprall war doch ganz schön heftig und so war Rolf kurz kaltgestellt. Alle Beteiligten waren sehr erleichtert, als er bald wieder Farbe bekam und aufstehen konnte.

Nun mussten wir noch alle Beteiligten und all das Material heil an Land bekommen, die Autos holen, derweil Abriggern und alles im Hänger verstauen. Das alles war noch mal ein Kraftakt, da die Wege weit waren, die Boote nicht optimal lagen und mehrfach umgelegt werden mussten (Ein Tipp für die Zukunft: Take Five passt nur nach oben neben ein schmales Boot! Sagt nächstes Mal nicht, das hättet ihr nicht gewusst.) Obwohl Tante Jet einen ganz fabelhaften Eindruck als Café machte, waren am Ende wohl alle so genervt, dass man nur schnell ein paar weitere Haribo und eine Scheibe Brot auf dem Parkplatz verzehrte, bevor man den Heimweg antrat. Das dortige Aufräumen ging wie immer schneller als alle anderen Maßnahmen. Zum Glück!

Was bleibt? Eine sicher denkwürdige Wanderfahrt mit zu vielen gesundheitlichen Problemen, zu viel Sonne, zu wenig Schatten; der Erkenntnis, dass die Maas zwar nah, aber eben nicht sehr reizvoll ist, aber eben auch mit guter Stimmung, mit viel frischer Luft und Bewegung, mit neuen Erkenntnissen und Eindrücken und natürlich bleibt auch ein gewisser Stolz, die Herausforderung gemeistert zu haben