AllgemeinRegatten

Jahrgangsmeisterschaften im Rückblick (Köln)

Veröffentlicht

Nach einer längeren DSGVO-Auszeit unserer Homepage soll die Berichterstattung über die Jahrgangsmeisterschaften U23, U19 und U17 vom 21. bis 24. Juni in Köln an dieser Stelle nachgeholt werden. Was ist abseits der nackten Ergebnisziffern an Bildern und Geschichten im Kopf geblieben?

MORITZ
BRONZE!!!! Wahnsinn!!!! Da steht er zusammen mit Schlagmann Paul (Kettwig) und „Maschinenraum“ Benno (Hamburg) und Jonas (Potsdam) bei der Siegerehrung direkt neben zukünftigen Medaillengewinnern der Junioren WM und grinst über beide Backen – das hat er sich verdient! Häufig genug ist er in dieser und in der Vorsaison gegen physisch überlegene Gegner angetreten, hat am Bootsgefühl und an der Kondition gearbeitet, immer weiter, immer weiter… Dann hat er sich schließlich bei den Ranglistenrennen des DRV drei Wochen vor der Meisterschaft mit einer tollen Leistung im Einer in diesen Vierer „reingerudert“. Ein einziges Trainingswochenende war möglich, ein Vorlauf, der Hoffnungslauf und dann das Finale waren die einzigen Rennen. Der Ranglistensystematik nach wurde dieses Boot als das Viertschnellste erwartet, aber dazu hatten die Jungs eine andere Meinung. Vom Start weg fuhren sie mutig mit den beiden schnellsten Booten des DRV mit und Schlagmann Paul hielt den Rhythmus über die Strecke gnadenlos hoch. Erst auf den letzten 500m konnten sich die favorisierten Boote etwas absetzen, Moritz‘ Mannschaft kam mit lediglich knappen zwei Längen Rückstand über die Ziellinie – Bäng!!! Der Rest war eine Feier…

SIMON
BRONZE!!!! Mit dem Leichtgewichtsachter, bestehend aus sieben Neussern (inkl. Steuerfrau) und einem Kölner nimmt Simon den Wettbewerb um das breiteste Siegerehrungs-Grinsen auf. Diese Medaille ist der großartige Abschluss einer etwas anderen Saison. Von vorneherein war klar, dass die Abiturprüfungen im April und Mai Vorrang vor allem anderen haben. Damit war die Teilnahme am Trainingslager und der ein oder andere Regattabesuch leider nicht möglich. Also musste er sich im Einer durchbeißen, das Trainingslager alleine am Otto-Maigler-See im Einer verbringen und darauf hoffen, dass er sich im Verlauf der Saison noch für eine Mannschaft empfehlen kann. Dann kam der Mai und die Option, in diesen Achter einzusteigen. Simon’s bisherige Erfahrung am Riemen war überschaubar (knapp im zweistelligen Kilometerbereich), aber der Ehrgeiz war größer. Mit viel persönlichem Aufwand und vielen Fahrten in den Neusser Hafen schaffte er es, sich fest in die Mannschaft zu etablieren. Mit der Hoffnung auf eine Medaille starteten die Neun als mit Abstand jüngste Mannschaft in die Meisterschaften. Verkorkster Vorlauf, ordentlicher Hoffnungslauf und im Finale dann bis in den Endspurt mit dem Süd-Achter in einen hochspannenden Bord-an-Bord-Kampf um die Silbermedaille verstrickt. Die fehlenden Körner am Ende wurden dann durch die Medaillen auf dem roten Teppich mehr als aufgewogen…

JASMIN
Das Ergebnis am Ende, beim Saisonhöhepunkt spiegelt bei Weitem nicht ihr Leistungsvermögen wider und würde als Fazit der Saison ihrer großartigen Leistung nicht gerecht werden. Jasmin hat sich als Einzelkämpferin in den engeren Kreis der Nationalmannschaftsanwärterinnen gerudert, hat die vielen Leistungsüberprüfungen des DRV absolviert, die physische Norm für die Nominierung zur nationalen Auswahl „geknackt“ und konnte leider bei dem entscheidenden Ranglistenrennen des DRV drei Wochen vor den Meisterschaften ihr Potential nicht abrufen. Sie hat einige Enttäuschungen und eine lange Zeit des „Haderns mit sich selbst“ wegstecken müssen, ist immer wieder aufgestanden und hat gezeigt was sie drauf hat – und leider hat es dann im entscheidenden Moment nicht gereicht. Kurzfristig setzte sie sich dann mit Sarjana aus Limburg für einen Meisterschaftsstart im Doppelzweier zusammen, aber die Luft war doch ziemlich raus. Ein sechster Platz nach drei nicht optimalen Rennen war das schriftliche Ergebnis, aber von der Saison bleiben die Erinnerungen an die Erlebnisse des Baltic-Cup, die Trainingslager und Lehrgänge und die Verbindung zu ihren Kolleginnen. Jasmin, wir sind stolz auf das, was du in deiner bisherigen Ruderkarriere geleistet hast und freuen uns auf noch viele weitere Jahre!

CHRISTIAN
Unser einziger U23-Aktiver, unser Busfahrer, einer der Fleißigsten im Training und Inhaber von guter Laune! Auf verschiedenen Regatten in verschiedenen Mannschaften gestartet in einer Altersklasse, in der die Anzahl der Aktiven rapide schrumpft und die „Leistungsschere“ zwischen den Stützpunkt- und den Vereinsathleten immer weiter auseinander geht. Er ist dabei geblieben, wollte unbedingt auf der Meisterschaft starten und hat sich durch seine zuverlässigen Trainingsleistungen schließlich für einen Doppelvierer des Stützpunkts qualifiziert. Von Beginn an gab es nur eine schwache Hoffnung auf das Erreichen des Finals, zu stark war in diesem Jahr die Konkurrenz gemeldet. Nach zwei sehr ordentlichen Rennen war dann die Regatta für ihn beendet, aber Christian blieb weiter dabei: als Fahrer, als Helfer im Regattateam, unermüdlich hilfsbereit – ein großartiger Kerl!

GERO
Riemenheld, Schlagmann, Teamarbeiter! In dieser Saison hat er wieder mehr Wasser auf dem Fühlinger See umgepflügt, als auf dem heimischen Ruderrevier. Seit dem Herbst war er ein fester Bestandteil des Junioren-A-Achterprojekts am Stützpunkt Rheinland-Süd unter Ralf Müller und sammelte unermüdlich die ersten Erfahrungen in den harten Rennen der Riemenvierer und Achter. Im Laufe der Zeit wurde klar, dass er der beste Schlagmann war und so übernahm der Jüngste in der Mannschaft eine der wichtigsten Aufgaben und gab seither den Rhythmus im Rennen vor. Dem ersten Erfolg als Internationaler Belgischer Meister folgten in zunehmendem Maße die Vergleiche mit der nationalen Konkurrenz. An guten Tagen ging es weit nach vorne, aber die Leistung konnte leider nicht konsistent abgerufen werden. Am Ende etablierte sich dieser regionale Achter als zweitstärkstes Boot in NRW, blieb mit dem 6. Platz im Finale der Meisterschaften aber deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Es bleiben viele Erlebnisse und Erfahrungen in einer tollen Truppe, die Gero’s ruderische Entwicklung großartig nach vorne gebracht hat.

RUBEN, LUCA, JULIAN
Unsere schweren Jungs im B-Bereich werden dieses Mal in ein „Paket“ gepackt, weil sie gemeinsam durch die Saison gegangen sind. Ruben „die Kämpfernatur“, Luca „der ruhende Pol“ und Julian (der erst seit einem knappen Jahr rudert) wollten sich für ein Großboot am Stützpunkt Rheinland-Süd empfehlen. Gedacht haben alle an einen Doppelvierer, im März war dann aber klar: es wird ein Achterprojekt gestartet. Hm, die Riemenerfahrung lag ebenfalls (siehe Simon) im unteren zweistelligen Kilometerbereich, aber die Jungs haben die Herausforderung angenommen. Parallel zu einer guten physischen Entwicklung wurden dann tatsächlich mit der Zeit die Bewegungen an den Rudern immer geschmeidiger. Ruben und Julian konnten ihre Vorleistungen im Trainingslager bestätigen und wurden von Anfang an eingeplant. Luca kämpfte sich zäh und unnachgiebig über die Frühjahrsregatten in den Kreis hinein und war am Ende ebenfalls ein fester Bestandteil des Achters. Kurz vor den Meisterschaften wurden dann die endgültigen Mannschaften für die Vierer festgelegt und auf einmal fanden sich die drei Hürther zusammen mit Christopher aus Bonn in einem Vierer-mit wieder. Ein Vereinsboot mit Freund an Bord. Und Emilia an den Seilen. Auf den Meisterschaften steigerte sich zunächst der Achter und lag im Hoffnungslauf eigentlich auf Finalkurs. Leider waren die späteren Bronzemedaillengewinner aus Niedersachsen am Ende den entscheidenden Schlag schneller und überquerten die Ziellinie 14 Hunderstel Sekunden (!) vor unserer Mannschaft. Das wäre im Finale spannend geworden. Das Finale fand dann im Vierer-mit statt. Nominell waren sie die schwächere Achterhälfte, aber mit einem tollen Fokus auf das Rennen erreichten die Fünf das beste Ergebnis der B-Junioren am Stützpunkt. Lag das Boot zur Hälfte des Rennens noch deutlich mit über drei Sekunden auf den Bronzerang auf dem fünften Platz, kam es mit einem kraftvollen Endspurt bis auf eine knappe Sekunde an die Medaille heran und beendeten das Finale auf dem vierten Platz. Tolle Erfahrungen, geile Rennen und der Wille „nach mehr“ bleiben…

LENNERT
Der Frischling im Junior B, unser Leichtgewicht. Erste Saison, alles auf Null. Man unterschätzt ihn gerne in seiner ruhigen und zurückhaltenden Art, solange bis das Startkommando ertönt – dann legt er los und kämpft… Nach einigen tollen Rennen im Einer wurde ein Zweierpartner aus Leverkusen gefunden, mit dem er eigentlich auf den Meisterschaften starten sollte. Leider erwies sich die Natur, in Form einer Gewichtszunahme, als stärker und Lennert fand sich im leichten Einer in einem der größten Meldefelder des Wochenendes wieder. Im Vorlauf lieferte er eine der beeindruckensten Szenen der Regatta: bei heftigem Seegang (anders kann man die Wellen nicht mehr bezeichnen) fing er sich einen beachtlichen Krebs und kenterte auf den letzten 500m. Bevor das Schiedsrichterboot wirklich bei ihm war, saß er schon wieder im Boot und ruderte das Rennen zuende! Die Regattasprecherin war völlig verblüfft und honorierte diese Aktion mit einem entsprechenden Kommentar. So etwas sieht man tatsächlich selten oder gar nicht… Das Erreichen des Halbfinals (das vorher als das absolute Maximalziel galt) geriet angesichts dieser Geschichte fast schon zur Randnotiz. Der Vollständigkeit halber sei deshalb hier erwähnt: Lennert, das war ganz große Klasse!

Über die Rennen hinaus bleiben im Kopf die Bilder von viel durch Wind bewegtem Wasser (bis hin zum oben beschriebenen Seegang) in den ersten Tagen der Meisterschaften, aber auch die sonnigen Stunden am Finaltag, unsere jugendlichen Leistungssportler die an Land überall mit angepackt und sich in den Booten bis an ihre Grenzen an die Ruder gehängt haben sowie die vielen Besucher aus Hürth an der Strecke. Der Blick der Aktiven ging in der Abschlussbesprechung schon nach vorne in den Herbst in Richtung Landesmeisterschaften und sogar schon in das kommende Jahr – da geht es dann nach Brandenburg…

Hier der Link zu den Ergebnissen der Meisterschaft: https://verwaltung.rudern.de/event/show/1742